Gitarrenspiel als non-verbale Kommunikation

Was ist das Harmolodische Gitarrenspiel? Was ist Musik und aus welchen Bestandteilen setzt sie sich zusammen? Braucht man immer alle diese Bestandteile oder kann man bei Bedarf auf einige von ihnen verzichten? Musik fernab von Leistungsschau oder reiner Berieselung
zur Aktivierung, zur Verbindung zu sich selbst und im Zusammenspiel mit anderen zur non-verbalen Kommunikation. Spiel als Therapie.
Bevor ich meine erste Frage beantworte (Was ist das Harmolodische Gitarrenspiel?), möchte ich darauf eingehen, wen ich mit diesen Artikel über das harmolodische Gitarrenspiel angsprechen möchte:

  1. Jeden, der schon immer aktiv Musik gemacht hat
  2. Jeden, der oder die es schon immer machen wollte
  3. Jeden, der oder die sich für talentlos hält, aber nach dem Artikel den Mut aufbringt, seine oder ihre Ansicht neu zu überdenken und nicht ausschließt, einen weiteren Versuch in Richtung des aktiven Musizierens zu machen
  4. Jeden, der oder die eine heilende Wirkung durch Musik nicht gänzlich für unmöglich hält
  5. Jeden, der oder die etwas vorher nicht Da Gewesenes, Eigenes und Neues dem Nachspielen den Vorzug gibt
  6. Jeden, der oder die Sinn, Schönheit und Interessantes im Machen und in Dingen jenseits der üblichen Regeln erkennen kann


Zu aller erst: Ich nehme nur Teile aus dem harmolodischen Konzept, das von dem Saxophonisten Ornette Coleman entwickelt und von seinem Gitarristen James Ulmer auf die Gitarre übertragen wurde, und erkläre hier wirklich nur die für den Einsteiger wichtigsten Punkte.

Warum ist weniger mehr?

Diese Behauptung hört man nicht selten im Alltag. Oft stellt sich im Nachinein heraus, dass wieder einmal jemand nur eine inhaltslose Worthülse vom Stapel gelassen hatte. Das von mir hier beschriebene Gitarrenspiel wird auf einem handelsüblichen Instrument mit Stahlsaiten ausgeübt. Während die sechs Saiten in der Standard-Stimmung fünf verschiedene Töne auf diese sechs Saiten verteilen, sind auf der harmolodisch gestimmten Gitarre nur zwei unterschiedliche Töne auf sechs Saiten verteilt. Das "Weniger" dieser Stimmung bezieht sich auf die geringe Auswahl an Tönen und die damit eingeschränkte Auswahl an Griff-Kombinationen der Greifhand. Worin besteht jetzt aber das "Mehr"?
Durch die Beschränkung von zwei Tönen auf sechs Saiten erklingen viele Töne doppelt, 3- oder vierfach, was den Klang deutlich voller macht und an eine 12-saitige Gitarre erinnert. Trotz des "Mehr" an Klang ist die Gitarre dabei genauso einfach wie eine 6-saitige Gitarre zu spielen.

Was ist Musik und aus welchen Bestandteilen setzt sie sich zusammen?

Melodie (aufeinander folgende Töne) und Harmonie (Tonart mit den jeweiligen Akkorden) sind zwei Bestandteile von Musik. Diese Begriffe finden sich im zusammen gesetzten Wort "harmolodisch" wieder. Weitere Bestandteile sind der Rhythmus (z.B. als Taktmaß 3/4, 4/4 etc.) und die Form (Takte und Teile eines Musikstückes). Die Schwerpunkte für den Einstieg in diese spezielle Gitarren-Stimmung liegen auf der Melodie, der Harmonie und dem Klang. Summt man z.B. alleine vor sich hin, besteht die Musik aus aufeinander folgende Töne, die aber noch nicht in einem harmonischen Zusammenhang zu anderen gleichzeitig erklingenden Tönen stehen (als Intervalle, Akkorde), sondern ihre harmonische Beziehung nur als Teil einer Tonleiter haben (es gibt eine Dur- und drei Moll-Tonleitern für jeden der zwölf Töne). Oft hat dieses Vor-sich-hin-Summen oder -Pfeifen weder eine feste Form, noch ein festgelegtes Tempo und somit auch keinen fest gelegten Rhythmus, aber es ist dennoch Musik. Aber ein Rhythmus auf einen Schlag-Instrument gespielt ist natürlich auch ohne Melodie und Harmonie Musik. Das bedeutet: Nicht jede Musik besteht aus den gleichen Bestandteilen und ist dennoch Musik.

Das Harmolodische Gitarrenspiel als Idee einer Musik fernab von Leistungsschau oder traditionellem Musikunterricht

Frage eines Touristen:" Wie komme ich zur Philharmonie?" Antwort:"Üben! Üben! Üben!" Ein uralter Witz, der aber zeigt, welche Ansprüche sogar der Durchschnittsmensch an das Musikmachen stellt: Ohne Üben geht es nicht, d.h. es muss sehr viel Zeit investiert werden, natürlich wenn es geht schon von Kindesbeinen an, ohne Fleiß kein Preis, etc..
Solche Aussagen können natürlich motivieren, die Meisten werden von Ihnen aber eher abgeschreckt. Die Gründe hierfür sind vielfältig:
hoher Zeitaufwand (Erlernen des Notenlesen, regelmäßiges Üben etc.)
hohe Kosten für Musik-Unterricht
hohe Erwartungshaltungshaltung des Lernenden/Anfängers an das vermutlich nicht zu erreichende (Übungs-)Ergebnis
direktes, d.h. sofortiges "Spielen" ohne lange Vorübungen scheint nicht möglich.

Deshalb habe ich mich gefragt: "Wie kann ich diese Hindernisse vielleicht aus dem Wege schaffen?" Ich habe mich auf die beiden letzt genannten Hindernisse konzentriert: zu hohe Erwartungshaltung und relativ sofortiger Einstieg in das Spiel.