powerchord

Der US-amerikanische Gitarrist James "Blood" Ulmer (geb. 1940) benutzte erstmalig diese Stimmungen in E und A in der ersten Hälfte der 70er Jahre, als er bei der Band des Saxophonisten Ornette Coleman (1930-2015) einstieg. Coleman's musikalisches Konzept nannte sich Harmolodics und war eine Alternative zum modalen Jazz, der sich nicht mehr so sehr an die Akkordfolgen orientierte, sondern über die Skalen (Tonleitern) improvisierte. Aber das tut im Bezug auf meine Verwendung dieser Stimmung nichts zur Sache, dennoch wollte ich kurz den Ursprung erwähnt haben.

Ein Powerchord (in diesen Fällen E 5 und A 5) ist einfach ein Intervall (eine Quinte) oder anders gesprochen ein Zweiklang, der weder moll noch dur ist, weil eben die entscheidende Terz (ein anderes Intervall - Akkorde entstehen durch Terzenschichtung) zum Dreiklang fehlt. Zwei verschiedene Töne sind also auf sechs Saiten verteilt statt wie in der Standard-Stimmung fünf verschiedene Töne auf sechs Saiten.

  1. E-Powerchord-tuning E-E-H-e-h-e
  2. A-Powerchord-tuning A-A-A-E-a-e

Mich hatte diese "reduzierte" Stimmung als Idee immer faziniert, allerdings brauchte ich mehrere Anläufe, bis ich auch nur annähernd irgendetwas damit anzufangen wusste. Mir kam entgegen, dass ich kein Nachspieler von Licks anderer bin und immer versuche, wenigstens einen "kleinen persönlichen Hauch" in meinen Gitarrenspiel einfließen zu lassen. Im Gegensatz zu Ulmer verwendete ich diese Stimmungen anfangs ausschließlich nur auf der akustischen Gitarre: Es entsteht ein Klang, der einer zwölfsaitigen Gitarre nicht unähnlich ist.

Stilistisch mache ich auch nichts anderes als in den anderen Stimmungen. Dennoch liegen in diesen Stimmungen bei mir die Schwerpunkte eher auf Klang, Melodie und Rhythmus als auf lange Läufe von Einzeltönen; dafür sind mir persönlich die Wege auf dem Griffbrett dann doch zu weit.